Predigt     Matthäus 5/1-12     Gedenktag der Heiligen     01.11.2015

"Von der Kraft geistlicher Armut"
(von Prädikantin Susanne Biegler, Hospitalkirche Hof)
 

Liebe Leser,

heute ist Allerheiligen, eigentlich ein katholisches Fest und was soll man auf einer evangelischen Kanzel noch dazu im Rückblick auf den Reformationstag dazu sagen. Es wird an Allerheiligen, all den Heiligen gedacht, die schon entschlafen sind und deshalb geht man auch an die Gräber seiner Lieben. Ja wer ist denn heilig. Das ist eine schwierige Frage. Bei den katholischen Christen sind es im Vordergrund auch erst mal Menschen, die große Taten vollbracht haben. Zuerst wurden sie selig gesprochen und dann irgendwann, wenn man noch ein paar Wunder nachweisen konnte kam dann die Heiligsprechung. Also Selig und heilig gehören irgendwie zusammen. Ja und das passt genau zum Predigttext zum Heiligen Tag von dem ich Ihnen erst mal nur den zweiten Teil vorlesen möchte. Der Text ist aus der Bergpredigt in Matthäus 5, 7-12

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.“

Schön jetzt weiß ich, wie ich selig werden kann. Ich brauche nur die Barmherzigkeit tun, ich brauche nur ein reines Herz zu haben, ich muss Frieden stiften. Ich werde vielleicht um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Ja und wenn ich das alles tue, dann wird es mir im Himmel reichlich belohnt werden. Das höre ich oft. Viele Leute sagen, ja ich tue ja nichts Unrechtes, ich versuche nach Gottes Geboten zu leben und dann wird es mir der Herrgott schon belohnen.

Vor vielen Jahren schrieb der Politiker und Autor Franz Alt davon, wie man mit der Bergpredigt Politik machen kann. Wenn man das alles täte, sagte er, dann würde es friedlicher in unserer Welt aussehen. Ja gut, dann schauen wir uns doch einmal ein paar Aussagen unseres Textes an. Selig sind die Barmherzigen und an wen denkt man da nicht gleich? Da denkt man doch an Mutter Theresa und ihre Werke der Barmherzigkeit. Oje, kann es mir dann da nur in den Sinn kommen, wie kann ich denn so etwas tun? So barmherzig sein, wie Mutter Theresa, nein das kann ich nicht. Diese bedingungslose Aufopferung, das geht auf keinen Fall. Das Leben unter den vielen Armen und Kranken, das geht ja gar nicht. Barmherzig sein mit meinem Nächsten ginge vielleicht irgendwie doch, jedoch auf keinen Fall mit meinem Feind. Mutter Theresa wurde ja für all ihre Taten schon selig gesprochen und soll auch heilig gesprochen werden.

Dann soll ich auch ein reines Herz haben. Das schaffe ich vielleicht gerade noch. Ich habe als Kind ja immer gebetet, ich bin klein mein Herz ist rein.

Frieden stiften ist eine weitere Tugend, die einem selig machen soll. Auch dazu fällt mir wieder ein berühmter Mensch ein: Martin Luther King, der mit friedlichen Mitteln, die Gleichheit für die schwarze Rasse erreichen wollte. Er organisierte Streiks, so dass die Schwarzen nicht zur Arbeit gingen, um auf ihre unwürdigen Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Er stiftete eine friedliche Sitzrevolution in den Bussen an, bei der sich die Schwarzen einfach auf die Plätze der Weißen setzten. Vieles, vieles mehr gäbe es noch von ihm zu berichten. Frieden schaffen, ohne Waffen. Das war sein Motto. Wenn ich mir dann diesen evangelischen Heiligen, so wie einige zu ihm sagen, ansehe, dann werde ich ganz blass vor Neid. Frieden stiften ist nicht mein Ding. Streit schlichten vielleicht, auch in der Schule, das kann ganz schön nach hinten losgehen und ich kann dann selbst zum Opfer werden. Da halte ich mich lieber raus. Bei Martin Luther King ist das ja auch ganz schön nach hinten losgegangen. Er wurde wegen des Kampfes, um seine Gerechtigkeit verfolgt und dann sogar ermordet.

Irgendwie komme ich mit dem Bibeltext nicht ganz mit und muss auch Herrn Franz Alt sagen, dass es doch nicht gelingen kann mit der Bergpredigt Politik zu machen, dass die Welt friedlicher wird. Und dann sollen wir uns noch freuen und getrost sein, heißt es in unserem Bibeltext. Im Himmel wird uns alles reichlich belohnt werden. Ja, dann solle der Himmel über uns aufgehen. Also eine Vertröstung aufs jenseits. Und hier, hier ist wohl nur ein mühseliges Leben und kein Himmel auf Erden? Einfach nur schauen, dass ich alle Forderungen der Bergpredigt gut einhalte, damit ich selig werde. Das macht mich kaputt.

So kann man denken, wenn man die Bergpredigt vielleicht nur oberflächlich liest und sie auch nicht von ihrem Anfang her und ihrem Umfeld her bedenkt. Das machen viele Leute und merken dann, wie sie scheitern. Sie lesen wirklich nur die Verse, die ich eben gelesen habe und sagen: Hilfe das schaffe ich nicht. Ich werde nie ein Heiliger und wer’s glaubt, wird selig.

Schauen wir uns aber doch auch mal das Umfeld und den Anfang unseres Textes an. Jesus hatte seine Jünger berufen, die ihm dann nachgefolgt sind. Er wanderte mit ihnen durch Galiläa er predigte und heilte viele Menschen. Daraufhin folgte Jesus eine große Menschenmasse. Und hier beginnt eigentlich unser heutiger Predigttext. Hören wir nun auf die ersten Verse aus Matthäus 5, 1-6. Jesus sah das viele Volk und es wurde ihm zuviel.

Als Jesus das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich;
und seine Jünger traten zu ihm. Und er tat seinen Mund auf,
lehrte sie und sprach:
„Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

Jetzt kommen wir dem ganzen Sinn der Bergpredigt doch etwas näher. Wir sehen, zuerst einmal, zu wem Jesus die Bergpredigt spricht. Er spricht sie nicht zu irgendwelchen Leuten, sondern er spricht sie zu seinen Jüngern. Das sind die Leute, die an ihn glauben und ihm nachfolgen. Diese Leute haben also einen Glauben an Jesus Christus. Also Menschen, die an Jesus glauben, sind erst mal selig. Selig sind aber in unserem heutigen Text auch noch besonders diejenigen Leute, die einen geistlich armen Glauben haben. Sie glauben nicht nur, nein sie haben dazu noch einen geistlich armen Glauben.

Dazu sagt Jörg Zink in seinem Neuen Testament: „Selig sind, die da geistlich arm sind. Selig sind wir, wenn wir nicht meinen wir selbst hätten einen starken Glauben. Wenn wir nicht meinen stark genug zu sein, sondern Gottes Barmherzigkeit brauchen und alles von seiner Liebe erwarten."

Es geht also nicht um uns und um unser Tun und um unseren starken Glauben. Es geht darum, dass ich nicht stark zu sein brauche. Ich soll von Gottes Barmherzigkeit her leben und alles von seiner Liebe erwarten. Nicht ich muss die ganzen Sachen der Bergpredigt aus eigenem Antrieb leisten. Die Bergpredigt richtet sich an die Leute, die ihren Glauben an Jesus Christus haben und ihn Ihre Stärke sein lassen. .

„Christus ist umsonst geboren, wenn er nicht in Dir geboren wird.“ So sagt es Angelius Silesius. Das bedeutet für mich. Ich kann mich nicht selbst selig oder heilig machen nur Jesus kann es durch mich tun. „Speisen die Hungrigen, Tränken die Durstigen, Vergeben den Feinden, Bitten für alle Menschen auf Erden (...) Siehe, das sind alles lauter gute, heilige Werke. Dennoch ist (dies) (...) kein Weg zur Seligkeit. Sondern es bleibt nur der eine Weg über diesen allen, nämlich der Glaube an Jesus Christus. Denn es ist etwas ganz anderes: heilig und selig zu sein. Selig werden wir allein durch Christus, heilig aber sowohl durch diesen Glauben, als auch durch diese göttlichen Stifte und Orden.“ So sagte es schon Martin Luther, dessen Gedenktag wir ja vom gestrigen Reformationsfest her, heute auch noch begehen.

Wenn ich aus der geistlichen Armut, aus dem festen Glauben auf Gottes Hilfe lebe, dann kann ich erfahren, dass mich Gott im Leid tröstet. Dann muss ich mich nicht anstrengen und mit Stolz sagen, ich muss aus meiner eigenen Kraft stark werden und so kann Gott mich trösten. Nein, selbst wenn ich geistlich arme werde, wenn ich selbst einen schwachen Glauben habe, kann ich selig werden. Ich kann dann einfach rufen, ich kann nicht mehr und mich in Gottes erbarmende Arme werfen. Genauso kann ich ein seliger Sanftmütiger sein und einer, der hungert und dürstet nach Gerechtigkeit.

Diese geistlich Armut gibt mir dann auch die Kraft zur Barmherzigkeit. Ich habe die Biographie von Mutter Theresa auf Englisch gelesen und da gesehen, dass sie ihr Werk nicht getan hat, um selig zu werden. Sie hat ihr Werk aus dem Glauben heraus getan. Sie hat erst mit der Arbeit begonnen, als Gott sie ganz konkret zu diesem Werk gerufen hat. Sie selbst fühlte sich zu schwach zu solchen Taten.

Bei dem Kindergebet hört es ja nicht auf mit: ich bin klein mein Herz ist rein. Es heißt, soll niemand drin wohnen als Jesus allein. Und in einem Gesangbuchlied heißt es: Ein reines Herz Herr schaff in mir! Nicht ich soll mir ein reines Herz schaffen, sondern Gott soll es in mir bewirken.

Martin-Luther King hatte zwar seine Theorien zum Frieden schaffen von Mahatma Gandhi, einem Inder, abgeschaut. Aber der Grund seines Handelns war sein zutiefst innerlicher Glaube, der ihn dann wohl auch in der Stunde des Todes gehalten hat. So kann auch uns allen, sei es in der Schule, im Beruf und gerade auch bei den Flüchtlingsfragen, Gott immer wieder die Kraft schenken, dass wir mutig und erfinderisch werden, um Frieden zu stiften.

Wenn wir nun die Bergpredigt so im Gesamtzusammenhang betrachten, dann merken wir, dass wir uns selbst nicht selig machen können, jedoch einen Heiligen haben, der uns hilft, die Seligkeit in unserem Tun und Handeln zu erlangen. Dann werden wir vielleicht keine so großen Heiligen wie Mutter Theresa oder Martin-Luther King, aber Jesus kann uns helfen, dass wir mit unserer kleinen Kraft eine gute Ritterschaft üben können, um Barmherzigkeit in unserem Umfeld zu wirken, immer wieder ein reines Herz zu bekommen, um versuchen Frieden zu stiften.

Deshalb hören wir nochmals auf Martin Luther: „Speisen die Hungrigen, Tränken die Durstigen, Vergeben den Feinden, Bitten für alle Menschen auf Erden... Siehe, das sind alles lauter gute, heilige Werke. Dennoch ist (dies)... kein Weg zur Seligkeit. Sondern es bleibt nur der eine Weg über diesen allen, nämlich der Glaube an Jesus Christus. Denn es ist etwas ganz anderes: heilig und selig zu sein. Selig werden wir allein durch Christus, heilig aber sowohl durch diesen Glauben, als auch durch diese göttlichen Stifte und Orden.“

Oder sehen wir, wie ein junger Mann aus der Schweiz dasselbe zum Thema Glauben ausdrückt:

Das Leben als Christ ist voller Herausforderungen.

Wer zeigt Dir wie du kämpfst, damit du nicht wieder überwältigt wirst und am Ende aufgibst?- Hat Dir schon jemand gesagt, dass Du nicht alleine kämpfen musst? - Weißt Du, dass Dein Gebet die Macht hat dunkle Situationen zu erhellen? -Weißt Du, dass der Heilige Geist Dein Tröster ist? Und dass Du einen Auftrag hast, den Du nicht durch eigene Kraft ausführen kannst?- Christ sein, das Tool (der Baustein), das (der) Dich anleitet beständig das Leben einzuatmen, dass Dein Schöpfer für Dich gestaltet hat.

Schöne Glaubensworte von Luther und auch dem jungen Schweizer.

Wer das alles beherzigt, kann den Allerheilgentag richtig und im evangelischen Sinne von der Reformation her begehen. Und dann (...) geht der Himmel jetzt schon über allen auf und nicht nur erst im ewigen Himmelreich.

Prädikantin Susanne Biegler, Hospitalkirche Hof

Text:

1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu ihm.
2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.

7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.

11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.
 


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